500 Jahre Innovation: Warum Gutenberg heute aktueller ist denn je
Vor 125 Jahren öffnete das Gutenberg-Museum in Mainz erstmals seine Pforten, um das Erbe des „Mannes des Jahrtausends“ zu bewahren. Doch Johannes Gutenberg ist weit mehr als eine historische Figur in Geschichtsbüchern – er ist der Urvater unserer modernen Informationsgesellschaft. Anlässlich dieses besonderen Jubiläums rückt die Gutenberg Stiftung den Erfinder des Buchdrucks nun mit einer exklusiven Artikelserie erneut ins Rampenlicht.
Die Serie beleuchtet nicht nur die technischen Meilensteine – von der beweglichen Letter bis zur Druckerpresse –, sondern schlägt den Bogen direkt in unsere Gegenwart. Wie beeinflusst Gutenbergs Pioniergeist die heutige Medienwelt? Begleiten Sie uns auf einer faszinierenden Spurensuche. Wir untersuchen sein Schaffen und fragen: Wie viel Gutenberg steckt eigentlich in unserem Smartphone?
Ohne die Druckpresse wären Errungenschaften wie die Demokratisierung des Wissens und das Internet nur schwer denkbar. Tauchen Sie ein in eine Geschichte über Mut, Präzision und eine Vision, die die Welt für immer veränderte.
Heute erscheint der sechste Artikel der Serie: es geht um den Prozess zwischen Gutenberg und seinem Partner Johannes Fust, der das Narrativ um Gutenbergs Erbe bis heute beeinflusst.
Johannes Gutenberg gilt heute als der „Mann des Jahrtausends“. Doch während sein Name untrennbar mit der Erfindung des modernen Buchdrucks verbunden ist, erzählt die Geschichte seines größten Triumphes gleichzeitig auch die Geschichte großer wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Es ist das Drama eines Visionärs, der die Welt veränderte, aber dennoch finanziellen Problemen unterworfen war – ein Phänomen, das auch heute im 21. Jahrhundert nichts an Aktualität eingebüßt hat.
Vision trifft auf Kapital
Um 1450 stand Gutenberg kurz vor der Vollendung seines Lebenswerks: Dem Druck der 42-zeiligen Bibel (B42). Doch die Entwicklung der beweglichen Lettern, des Handgießinstruments und der speziellen Druckschwärze, sowie die Finanzierung seines großen Teams, verschlangen Unmengen an Kapital. Hier trat Johannes Fust auf den Plan. Fust war kein Handwerker, sondern ein wohlhabender Mainzer Advokat, Kaufmann und Geldgeber.
In zwei Darlehen lieh er Gutenberg die enorme Summe von insgesamt 1.600 Gulden – nach heutigem Wert ein Millionenbetrag. Als Sicherheit diente die gesamte Werkstatt. In dieser Werkstatt arbeitete auch Peter Schöffer, ein hochbegabter, an der Sorbonne in Paris ausgebildeter Typograph. Während Gutenberg der technologische Kopf war, war Schöffer mutmaßlich derjenige, der die Ästhetik des Drucks perfektionierte und Gutenberg als engster Vertrauter zur Seite stand.
Nach Abschluss des Bibeldrucks war das gemeinsame Unternehmen zu Ende und die Partner Fust und Gutenberg gingen getrennte Wege. Ein Konflikt oder Bruch, wie er oft als Grund für die Trennung dargestellt wird, ist nicht nachweisbar und muss auch nicht vorgelegen haben – es war für Fust schlicht finanziell vorteilhafter, die Druckerei allein fortzuführen. Mit dem Abschluss des Drucks und Vertriebs der Bibeln wurde auch die Rückzahlung des Kredits fällig. Hier kam es nun zum Konflikt: Fust und Gutenberg waren sich über die Details der Rückzahlung uneinig, und es wurde vor Gericht verhandelt.
Wieder einmal ist es ein juristisches Dokument, das uns entscheidende Fakten über Gutenbergs Geschichte liefert. Das am 6. November 1455 ausgestellte Helmaspergerische Notariatsinstrument hält fest, dass Gutenberg das von Fust verlangte erste Darlehen von 800 Gulden zuerst nicht zurückzahlte, weil strittig war, wie viel Fust insgesamt verlangen durfte. Zudem gab es Uneinigkeiten über die Fälligkeit von Zinsen und die Rückzahlung des zweiten Kredits.
Einen klaren Gewinner und Verlierer des Prozesses gab es nicht. Beide Parteien bekamen das Beweisvorrecht für unterschiedliche Streitpunkte zugesprochen, und beiden wurde in Bezug auf verschiedene Aspekte Recht gegeben. Fest steht, dass Gutenberg den ersten Kredit letztlich zurückzahlte, nachdem geklärt war, wie genau die einzelnen Beiträge miteinander verrechnet wurden.
Die Folgen des Urteils
Nach dem Prozess war die Partnerschaft Gutenberg und Fust zu Ende, und jeder erhielt seinen Erlös aus dem Betrieb.
- Fust und Schöffer führten gemeinsam eine eigene Druckerei weiter und konnten sogar die Drucktechnologie weiterentwickeln, sodass sie über die Jahre hinweg hohe Gewinne erzielten
- Schöffer heiratete später Fusts Tochter Christina und begründete eine der erfolgreichsten Drucker-Dynastien Europas
- Was genau Gutenberg selbst im Anschluss tat, ist nicht gesichert, möglicherweise betrieb aber auch er weiterhin eine kleine Druckerei
Späte Anerkennung und das Ende in Mainz
Erst spät in seinem Leben erfuhr Gutenberg noch einmal Anerkennung für seine Erfindung, wenn auch eher symbolischer Natur.
Im Jahr 1465 ernannte ihn Erzbischof Adolf von Nassau zum „Hofmann“. Damit war Gutenberg finanziell abgesichert: Er erhielt jährlich eine Hofkleidung sowie Zuteilungen von Getreide und Wein und wurde von Steuern und Diensten befreit.
Johannes Gutenberg starb Anfang des Jahres 1468 in seiner Heimatstadt Mainz und wurde wahrscheinlich in der St.-Clemens-Kirche beigesetzt (die heute nicht mehr existiert). Er hinterließ der Menschheit ein Erbe, das die moderne Wissenschaftsgesellschaft erst möglich machte, doch der Prozess Fust gegen Gutenberg zeigt uns, dass selbst bahnbrechende Erfindungen in allen Zeiten nicht frei von finanziellen Realitäten sein können.