„Johannes 66 und 69“, sagt Zvijezdana Cordier. Und die Eselsbrücke funktioniert, denn damit ist es ein Leichtes, den großen Gemeinschaftsstand von Gutenberg Stiftung, Gutenberg-Museum und -Gesellschaft auf der Frankfurter Buchmesse zu finden. Am Rand der Messehalle 3.0, in der sich Stände der literarischen Publikumsverlage ebenso finden wie große Tagezeitungen oder auch die attraktive Debatten- und Interviewbühne des Deutschlandfunks.
Und während dort bei dieser Buchmesse sehr viele Menschen über Künstliche Intelligenz reden, über die Zukunft des geschriebenen und gedruckten Wortes, mithin über Computer und über Rechenzentren, thront mitten in dem auch fürs Publikum offenen und begehbaren Stand J66 wie ein Relikt aus einem anderen Zeitalter ein hölzernes Ungetüm, exemplarisch für das, womit alles anfing: eine Druckerpresse wie aus Gutenbergs Werkstatt.
Fünf Tage lang war die Buchmesse für die Mainzer Delegation der Dreh- und Angelpunkt ihres Universums, umrahmt auf der einen Seite von einem recht eigentümlichen deutschen Verlag, der laut Eigenbeschreibung „eine Bresche in die gegenwärtige Gleichschaltung“ schlagen möchte, auf der anderen Seite vom Ditib-Verlag der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet. Stiftungsgeschäftsführerin Zvijezdana Cordier freut sich dennoch über den „sehr großzügigen Stand“, den die Messe für die Mainzer Gutenberg-Gesandtschaft jährlich zur Verfügung stellt. Und auch in diesem Jahr bleiben hier immer wieder Besucherinnen und Besucher neugierig stehen, und lassen sich von Druckern und Druckerinnen zeigen, wie an der Gutenberg-Presse eine Bibelseite entsteht oder im Frottage-Verfahren Textplakate produziert werden. Jenseits des Ganges fertigt eine Mitarbeiterin an einer Tiegelpresse passend zum Gastland Tschechien zweisprachige Bierdeckel mit Trinksprüchen und Logo „Na zdraví literatuře! – Prost auf die Literatur!“ und – in Zeiten wie diesen vielleicht noch wichtiger: „Na zdraví demokracie! – Prost auf die Demokratie!“.
All diese Aktivitäten sorgen für Aufmerksamkeit, sodass die acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Stand reichlich zu tun haben, nicht nur die Technik und die Hintergründe erläutern, sondern auch im Gutenberg-Shop zugunsten des Museums Umsatz machen. Neu im Portfolio dabei und auf einen spannenden Markt ausgerichtet: Die chinesische Übersetzung der Broschüre „Gutenberg für alle“ – mit Basisinfos rund um den „Man of the Millennium“ und seine bahnbrechenden Erfindungen. „Im Blick auf die Umsätze lag die Messe so im Mittelfeld“, resümiert Cordier, wenn auch nicht ganz so gut wie beim attraktiven Auftritt im Vorjahr an einer stark frequentierten Hallenecke. Sehr gut verkauft wurden während der Messe die kleinen hölzernen Nachbauten von Gutenbergs großer Druckerpresse, die erst seit einigen Monaten im Angebot sind, gefragt waren aber auch Klassiker wie Bibelseiten oder das kleinste Buch der Welt.
Auch am Stand im Angebot: „Die gefährlichste Erfindung der Welt“, ein aufwändig gestaltetes Jubiläumsbuch aus dem Mainzer Verlag Hermann Schmidt, der in diesem Jahr wiederholt mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet wurde. Das Gutenberg-Museum um Direktor Dr. Ulf Sölter hat das wunderbar ausgestattete Bändchen im Leineneinband kuratiert, um den 125. Gründungstag des Museums angemessen zu begehen.
Dass Entscheider aus Bund, Land und Kommune sich so eine Verlagspreis-Verleihung nicht entgehen lassen, kann fürs Gutenberg-Museum vielleicht nützlich werden. In diesem Jahr nämlich, in dem der beschlossene Museumsneubau in Mainz nicht recht vorankommt, sei es noch viel wichtiger als sonst, gute Kontakte zu knüpfen, bestehende auszubauen und zu pflegen, sagt Cordier. Denn wo und wann sonst, so die Stiftungsgeschäftsführerin, könne man direkt mit städtischen Mandatsträgern, mit Repräsentanten von Politik, Wirtschaft und Kultur in Bund und Land in Kontakt kommen, für die Sache des Weltmuseums trommeln, und neue Freunde für Gutenbergs Sache finden? „Wir müssen bei allen das Bewusstsein schaffen und aufrechterhalten, dass das Museum jede Unterstützung braucht und dass das nur geht, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“ Und noch ein wenig leichter könnte das werden, wenn der Gemeinschaftsstand für Gutenberg 2027 dort zu finden wäre, „in der Mitte des Geschehens, wo wir inhaltlich auch hingehören“, meint Cordier augenzwinkernd. „Denn ohne Gutenberg keine Buchmesse.“
Werner Wenzel