Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gemeinsam für Gutenberg“ widmete sich eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde einem der derzeit bedeutendsten Themen für das Kulturerbe: der Digitalisierung und den Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz (KI). Unter der Moderation von Museumsdirektor Dr. Ulf Sölter diskutierten Prof. Torsten Schrade, Sprecher des Konsortiums NFDI4Culture (Hochschule Mainz), und Dr. André Heck, Digitalisierungsmanager des Gutenberg-Museums, über die Zukunft des Mainzer Museums im digitalen Zeitalter.
Das Museum an der Schwelle zum KI-Zeitalter
Wie lässt sich das klassische Aufgabenprofil eines Museums – Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln – in die Ära der Künstlichen Intelligenz überführen? Dr. André Heck betonte, dass man sich von technologischer Skepsis lösen müsse, ohne dabei den Realismus zu verlieren. „Das Gutenberg-Museum steht an der Schwelle zum KI-Zeitalter“, erklärte Heck. „Es geht nicht um Zauberei, sondern um Kontrolle.“ Wichtig sei die Differenzierung: Die bloße Digitalisierung von Beständen sei noch keine Künstliche Intelligenz. Durch deren Einsatz entstehen jedoch neue Möglichkeiten für Auswertungen und Darstellungen, die bisher unvorstellbar waren.
Digitale Souveränität als Gebot der Stunde
Prof. Torsten Schrade lenkte den Blick auf die infrastrukturellen Voraussetzungen. Als Sprecher von NFDI4Culture – dem Konsortium für Forschungsdaten materieller und immaterieller Kulturgüter – unterstrich er die Bedeutung der „digitalen Souveränität“. Damit Kulturgüter nicht in Abhängigkeit von außereuropäischen Rechenzentren geraten, seien europäische und deutsche Speicherlösungen essenziell. „Wir müssen wissen, was die Kulturdaten für uns bedeuten und welche Leistung die KI für uns erbringen soll“, so Schrade. Er appellierte eindringlich an die Politik, die Speicherorte digitalisierter Kulturerbschaften in Deutschland und Europa aktiv zu sichern und zu koordinieren.
Qualität und Expertise: Das Fundament für KI-Anwendungen
Das Gutenberg-Museum verwahrt Millionen Daten mit hoher Authentizität. Genau hier liegt die Herausforderung für die Zukunft: Eine KI kann nur so gut arbeiten, wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Dr. Heck hob hervor, dass die Expertise derjenigen, die Daten erheben und anreichern, entscheidend für die Qualität der Digitalisierung ist. „Wir wissen, woher unsere Daten stammen, und fügen diese museumsspezifische Expertise bei der Digitalisierung hinzu“, betonte Heck.
Konkrete Förderung durch die Gutenberg Stiftung
Ein konkretes Beispiel für das Engagement der Gutenberg Stiftung: Durch die finanzielle Unterstützung der Stiftung konnte ein hochwertiger Flachbrett-Scanner angeschafft werden, der die Grundlage für eine präzise Datenerfassung bildet. Prof. Schrade bestätigte, dass mangelhafte Digitalisierungsqualität fatale Folgen für KI-Recherchen haben kann, weshalb alle KI-gestützten Ergebnisse weiterhin kritisch durch menschliche Expertise bewertet werden müssen.
Fazit
Zum Abschluss der Veranstaltung fasste Dr. Ulf Sölter die zentrale Erkenntnis zusammen: Die KI bietet dem Gutenberg-Museum immense Chancen, sofern die damit verbundenen Risiken erkannt und beherrscht werden. Dr. André Heck fand hierfür ein prägnantes Schlusswort, das den Kurs des Museums unterstreicht: „Magie kommt mir nicht ins Haus.“ Es geht um handwerkliche Qualität, Kontrolle und die bewusste Gestaltung der digitalen Zukunft – ganz im Sinne von Johannes Gutenberg.