Johannes Gutenberg

„Der Mann des Jahrtausends“

Johannes Gutenberg wurde 1998 vom Time-Life-Magazin zum „Man of the Millennium“ gewählt. Eine internationale Journalisten-Elite und die an der Abstimmung beteiligten Menschen aus aller Welt waren der Meinung, dass kein anderer Erfinder mit seinem Wirken die Entwicklung der Menschheit so nachhaltig beeinflusst hat wie Johannes Gutenberg.

Johannes Gutenberg, geboren um 1400 in Mainz, gilt als Erfinder des Druckens mit beweglichen Lettern.
Er war Handwerker, Unternehmer und Wegbereiter einer der größten Revolutionen – der Medienrevolution. Am Ende des Mittelalters schuf er ein komplexes technisches System, das die Welt verändern sollte. Seine Erfindung des Buchdrucks mit seriell hergestellten, genormten und wieder verwendbaren Lettern in Verbindung mit dem Einsatz einer Druckerpresse ließ die Informationsgesellschaft, wie wir sie heute kennen, erst möglich werden.

Von Gutenberg zum World Wide Web

Über 350 Jahre lang war Gutenbergs System fast unverändert tragfähig. Seit dem 19. Jahrhundert bildete es die Grundlage für Entwicklungen, die zu Schnellpressen und Rotationsmaschinen führten und eine ungeahnte Beschleunigung und Steigerung von Text- und Bilddruck möglich machten. Auch die Technologien des 20. Jahrhunderts basierten auf seinen Grundüberlegungen – eine beispiellose Erfolgsstory.

Gutenbergs Leben und Werk

Vor fast genau 600 Jahren wurde Johannes Gutenberg in Mainz geboren – unter dem Namen Henne Gensfleisch zur Laden. Vieles über sein Leben bleibt im Dunkeln, da sich keine schriftlichen Zeugnisse darüber erhalten haben. Gutenbergs Vater, Friele Gensfleisch, gehörte zu den Mainzer Patriziern und seine Mutter, Else Wirich, stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Als Datum seiner Geburt kommt die Zeitspanne zwischen 1394 und 1404 in Frage. Traditionell wird als Geburtsjahr die Jahrhundertwende, 1400, gefeiert. Wie Gutenberg seine Kindheit und Jugend verbrachte und welche Ausbildung er erhielt, ist unbekannt.

1434 war Gutenberg nachweislich in Straßburg ansässig. Straßburg war zu dieser Zeit eine Handelsstadt, die dreimal so groß wie Mainz war und einem unternehmerischen Geist gute Verdienstmöglichkeiten versprach. Durch das Erbe seiner 1433 verstorbenen Mutter verfügte Gutenberg in diesem Lebensabschnitt über eine ansehnliche Geldsumme. Mit diesem Kapital ließ er sich in der Straßburger Vorstadt St. Arbogast nieder und entwickelte ein Projekt, das gute Einnahmen erbringen sollte: Mit einer "Produktionsgenossenschaft" wollte er in großen Mengen Heilsspiegel für Pilger herstellen, die diese mit auf ihre Wallfahrt nach Aachen nehmen konnten. Solche Spiegel wurden aus einer Zinnlegierung in Form gegossen. Dies zeigt, dass Gutenberg nicht nur als Erfinder, sondern auch als Unternehmer zu sehen ist.

Spätestens seit dem Herbst 1438 brachte Gutenberg ein weiteres Vorhaben auf den Weg, für das er von seinen Teilhabern Geheimhaltung verlangte. Die Informationen darüber sind nur bruchstückhaft überliefert und keineswegs eindeutig. In erhaltenen Dokumenten ist von einer Presse die Rede, von Formen und Gezeug, Blei und anderem. Es ist denkbar, dass Gutenberg schon in Straßburg das Drucken mit einer Presse und beweglichen Lettern entwickelte oder jedenfalls vorbereitete; allerdings bleibt die Frage ungeklärt, wieweit diese Erfindung gedieh. Bücher oder andere Drucke haben sich aus dieser Zeit nicht erhalten.

Gutenberg wird in den Quellen in Straßburg zuletzt 1444 erwähnt und dann wieder 1448 in seiner Heimatstadt Mainz. In den dazwischenliegenden Jahren ist er in Frankfurt am Main nachweisbar.

Im Sommer 1449 erhielt Gutenberg von Fust eine erste Anleihe von 800 Gulden für die Herstellung von Druckgerätschaften. In den Jahren 1452 und 1453 gab Fust Gutenberg nochmals insgesamt 800 Gulden für das "Werk der Bücher". Mit diesem Kapitaleinsatz konnten Satz und Druck der Bibel begonnen werden. Gutenbergs Werkstatt befand sich im Hof Humbrecht, der einem in Frankfurt lebenden entfernten Verwandten gehörte. Hier entstanden bis 1454 unter Mithilfe von mindestens 20 Mitarbeitern die vermutlich 180 Exemplare der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel.

In zwei Bänden im Folioformat enthält die Gutenberg-Bibel auf insgesamt 1.282 Seiten die lateinische Übersetzung der Bibel von Hieronymus aus dem 4. Jahrhundert, die sogenannte Vulgata. Sie gilt bis heute als eines der, wenn nicht das schönste Buch der Welt. Bei der Herstellung orientierte sich Gutenberg stark an den Handschriften der Zeit. Sein Ziel war, schnell und kostengünstig die »perfekte Handschrift« herzustellen.

Die Ausschmückungen der Bibel sind nicht gedruckt. Sie erfolgten von Hand durch sogenannte Rubrikatoren und Illustratoren und machen jedes Exemplar der gedruckten B42 zu einem Unikat, da sie erst im Auftrag des Käufers von ganz verschiedenen Meistern ausgeführt wurden. Die Bindung der Bücher wurde ebenfalls in der Regel erst vom Abnehmer in Auftrag gegeben.

Heute sind noch 49 Exemplare der Gutenberg-Bibel erhalten und auch dies teilweise nur einbändig oder in Fragmenten. Lediglich 20 Bibeln sind komplett. Im Gutenberg-Museum sind zwei Gutenberg-Bibeln zu besichtigen.

Zeitgleich mit der Bibel wurden in Gutenbergs Werkstatt auch Auftragsarbeiten ganz anderer Art gedruckt. Aus den Jahren 1454 und 1455 stammen sogenannte Ablassbriefe, deren Zweck die Einnahme von Geld zugunsten der Kriegführung gegen die Türken war. Der Druck von etlichen Tausend solcher Ablassbriefe, die der Kirche viel Geld einbrachten, bewies in einer sehr frühen Phase der Druckgeschichte, dass Gutenbergs Erfindung enorme kommerzielle Entwicklungsmöglichkeiten bot.

Noch bevor die Bibel fertig gedruckt war, kam es zu einem Streit zwischen Gutenberg und seinem Geldgeber Johannes Fust, der ihm zweimal 800 Gulden für dieses große Unternehmen vorgestreckt hatte.

Über den von Fust gegen Gutenberg wegen der ausbleibenden Zins- und Geldrückzahlungen angestrengten Prozess informiert uns ein nach dem Notar Ulrich Helmasperger benanntes Dokument, das sog. Helmaspergersche Notariatsinstrument vom 6.11.1455. Wenngleich nur ein vereinzeltes Aktenstück aus dem gesamten Prozess, stellt es unsere wichtigste Quelle über Gutenbergs geschäftliche Verbindungen zu Fust und den Druck der 42-zeiligen Bibel dar. In dem Prozess, dessen Ausgang nicht eindeutig überliefert ist, verliert Gutenberg wahrscheinlich die gedruckten Bibeln sowie große Teile seiner Druckerwerkstatt.

Johannes Fust führte die Werkstatt dann mit einem Mitarbeiter Gutenbergs, Peter Schöffer, weiter. Aus dieser "Offizin", wie man eine Druckwerkstatt früher nannte, stammt der Mainzer Psalter, der in seiner zweiten Ausgabe von 1459 in der Inkunabelabteilung des Gutenberg-Museums ausgestellt ist.

Gutenberg starb, nachdem er 1462 mit vielen seiner Mitbürger vorübergehend aus Mainz vertrieben worden war, im Februar 1468 in seiner Heimatstadt. Vor seinem Tod wurde ihm die Ehre zuteil, zum Hofmann des Fürstbischofs Adolf von Nassau ernannt zu werden. Dies bedeutete, dass er ohne Sorge seine letzten Lebensjahre verbringen konnte. Er hatte, vermutlich in Eltville und Mainz, noch kleinere Druckwerke schaffen können und möglicherweise auch, beratend oder aktiv, bei anderen Drucken mitgearbeitet.

Mehr Informationen über Johannes Gutenberg finden Sie hier:

http://gutenberg.de/